eigenArt Messe in Neu-Isenburg

Am 23. und 24. November 2013 fand die erste eigenArt Messe in Neu-Isenburg statt. Wie es Erstlings-Projekte meist so an sich haben, bleiben von diesem Wochenende viele Gefühle und Gedanken zurück. Positiv wie negativ. Hier sind meine Eindrücke – heute aus Sicht der Aussteller.

Nova und ihr Team um die eigenART Messe haben nicht gespart an Plänen, Ideen und Ausblicken. Und auch die Tatsache, dass die Veranstaltungsagentur rent a band als Dachorganisation der Veranstaltung vorgestellt wurde, hat die Erwartungen nicht vermindert. Und eben hier sehe ich den Hund begraben. Die Erwartungen für alle Beteiligten waren vielleicht einfach ein bisschen hoch. Zumindest meine Erwartungen und viele derer mit denen ich gesprochen habe, wurden nicht getroffen. Was sehr schade ist, denn ich habe das eigenART-Team als eine sehr sympathische Gruppe kennengelernt, denen ich den Erfolg total gönnen würde. Und wenn es nach mir geht, kann das Rhein-Main-Gebiet nicht genug Märkte haben. Auch ich hatte einen kleinen Stand auf der Messe. Ich war dort mit dem Marktweltenpolaroid und wollte Marktwelten, den Blog und vor allem das Terminbooklet bekannter machen. Aber fangen wir vorne an: Der Samstag Morgen hatte wunderbar begonnen, schönes Wetter und ich habe Neu-Isenburg fast ohne verfahren gefunden, was fast an ein kleines Wunder erinnert, das erste Unbehagen aber machte sich breit als ich einfach die Messehalle selbst nicht gefunden habe. Die Hugenottenhalle liegt zwar zentral in der Fußgängerzone von Neu-Isenburg, aber nicht direkt an der Straße, sondern etwas verrückt nach hinten. Aber ich muss auch zugeben, ich suche nicht gerne nach Wegen und hatte einfach mit großen Schildern für die Aussteller gerechnet. So wenig wie möglich selber denken eben – nicht besonders emfehlenswert. Als ich dann aber die Halle gefunden hatte, war ich erstmal einfach nur baff. 70 Aussteller ist schon mal eine Hausnummer, aber die Größe der Halle hat mich kurz stocken lassen. Das hier die Stijl als Vorbild dient, wie mir Nova bereits im Vorfeld hier erzählt hatte, war nun nicht mehr zu übersehen. Die aufgestellten Wände hinter jedem Stand erfreuten sich zwar zunächst großer Beliebheit, da man dort sehr praktisch, das eigene Banner oder Logo aufhängen kann, Stunden später waren die Aussteller hinter der Wand aber leider nicht mehr allzu glücklich. Auch mein Stand fand man hinter der Wandreihe und selbst andere Aussteller wussten nicht, dass es hinter der Wand noch weiterging und so haben sich auch nicht alle Besucher hierhin verirrt. Vielleicht waren die Mauern zu hoch, zu lang, auf jedenfall waren wir zu versteckt.

Hinter-der-Mauer

Was die Auswahl der Aussteller betrifft, waren viele bekannte Gesichter dabei, aber auch große Labels, die zwar zu einer Style-Messe passen, aber leider nicht immer mit den kleinen handmade-Labels harmoniert haben. Vielleicht hätte man auch hier der Stijl folgen sollen und die verschiedenen Gruppen räumlich mehr trennen sollen oder alles mehr durchmischen? Ich weiß es nicht. Der große Jeans-Stand am Eingang und die vielen Gelbe-Seiten- und Regiomelder-Infostände hätten mich als Besucher aber wahrscheinlich erstmal abgeschreckt. Aber vielleicht bin ich auch einfach zu sehr an die lieben, kleinen Handmade-Designer-Märkte gewöhnt und nicht offen genug für so eine große Messeveranstaltung. Auch hier: Ich weiß es nicht. Die Veranstaltung hat mich ein wenig ratlos zurück gelassen. Was der ein oder andere vielleicht auch an diesem Artikel bemerkt. Aber ich möchte natürlich auch ehrlich sein, und alle Marktfacetten mit Euch teilen. Am Samstag haben viele Aussteller über zu wenige Besucher geklagt, auch wurden die Werbemaßnahmen kritisiert. Am Sonntag war schon etwas mehr los, aber immer noch nicht das klassische Handmade-Design-Publikum. Auch das Zielpublikum von Marktwelten bleib leider aus – oder hat nicht zu mir gefunden. Ich selbst kann nicht so gut beurteilen wie erfolgreich die Veranstaltung war. Ich bin weder eine Veranstalterin noch habe ich ein Produkt verkauft oder kann sonderlich viele Vergleichserfahrungen vorweisen. Vielleicht kann sich der ein oder andere Aussteller hier auch zu Wort melden. Ich wüsste wirklich gerne, was gefallen und was nicht gefallen hat. Man kann nur daraus lernen.

Große-und-kleine-Labels

Denn nichtsdestotrotz hatte ich viel Spaß an diesem Wochenende. Ich habe mich mit vielen Ausstellern toll unterhalten, habe viele neue Menschen kennengelernt und viele neue Erfahrungen gesammelt. Wenn jetzt noch ein paar neue Leser dazu gekommen sind, wunderbar. Mit meiner Standnachbarin Sophia von pauwpauw habe ich die zwei Tage mit viel Lachen und Erzählen verbracht. Was will man mehr? Ich glaube, es geht weniger ums Wollen als vielmehr ums Erwarten. Ich hatte mit live-Bands, Showacts und Dauerbeschallung gerechnet. Aber vielleicht ist das auch zu viel verlangt für eine Erstlings-Messe? Aber es lag nun bei weitem nicht allein an der Organisation, dass ich mit solch gemischten Gefühlen nach Hause gegangen bin. Aussteller haben Fußball geguckt und später sogar Playstation auf einem großen sichtbaren Fernseher gespielt. Ich kann ja verstehen, dass man sich langweilt, wenn die Besucher zeitweise ausbleiben. Aber ich finde ebenso, dass Aussteller auf einer Messe oder Markt ihre Aufgabe als Repräsentant der Veranstaltung dauerhaft ernstnehmen müssen. Und sich dann hinter seinem Stand lesend zu verstecken oder sogar solch ein Desinteresse zu zeigen und fernzusehen, finde ich persönlich nicht in Ordnung. Auch als Besucher hat mich solch ein Verhalten immer abgeschreckt, kaufen tue ich an solchen Ständen nichts.

Die-messe

Ich möchte den heutigen Post wirklich nicht mit solch negativer Kritik beenden, vor allem da ich gar nicht so schlecht von der Veranstaltung denke. Ich glaube, es gab viele Faktoren für die niemand etwas konnte. Samstags fand gleichzeitig der Bornheimer Designmarkt statt, Neu-Isenburg ist einfach nicht sonderlich zentral und dass man die Aussteller hinter Wand nicht findet, damit hat sicherlich niemand gerechnet. Es ist nur einfach leichter, Negatives aufzuzählen. Einfach auch, weil ich die vergangene Tage so viel darüber nachgedacht habe, was eine gute Messe ausmacht und welche Faktoren zu beachten sind. Ich finde Nova und ihr Team haben gute Arbeit geleistet und ich hoffe sehr, nächstes Jahr wieder von der eigenART zu hören. Die Handmade-Aussteller fand ich wirklich klasse ausgewählt und ich denke jeder, der den Weg nach Neu-Isenburg gefunden hat, ist auch fündig geworden. Der Weg ist nur vielleicht ein ganz klein wenig zu lang.

 

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born in 1990 in Wiesbaden, studies Cultural and Communicatuin Studies, Literature and Publishing at the Johannes Gutenberg-University Mainz. She worked as a freelancer for several German newspaper. This fall she spends at the University of Memphis as an exchange student.

5 Kommentare

  • Julia (miss-magnetica) sagt:

    PLAYSTATION gespielt? Das ist nicht dein ERNST? Egal wie eine Messe ist, aber so ein Verhalten seitens der Aussteller geht gaaar nicht. Man sollte konstruktive Kritik dem Veranstalter äußern (zumal diese vielleicht dafür nichts konnten). Sie präsentieren doch sich selbst und das ist einfach nur peinlich. Und da unterstütze ich deine Aussage: Dort würde ich auch nicht kaufen.

  • Katja E sagt:

    Hallo ! Auch ich war als Ausstellerin dabei und kann vieles bestätigen, Positives wie Negatives. Ich hatte z.B, eine Ausstellerin beobachtet, die von Anfang bis Ende der Messe mit ihrem Handy gespielt hat. Da bleibt bei mir nur ein großes Fragezeichen.
    Auch den riesigen Jeansstand am Anfang der Messe fand ich etwas deplaziert. Aber nunja, alles in allem fand ich es ein wirklich interessantes Wochenende und ich habe einige wirklich tolle Leute kennengelernt.
    Und noch etwas, für die Kauflust bzw. Unlust der Leute konnten die Organisatoren auch nix :-)

  • Kati sagt:

    Liebe Sophie,

    da ich soooo viele Aussteller kannte, lungerte ich am Samstag doch ziemlich lange auf der Messe rum und hatte Gelegenheit, alles zu beobachten. Was Du schreibst, kann ich voll bestätigen. Vor allem die Aussteller hinter der ANDEREN Wand (zur Fensterfront hin) waren sehr versteckt. Von draußen konnte man sie zwar schön sehen, aber da war man halt…draußen. :-)

    Direkt neben der Halle hatte das Isenburgzentrum samstags bis 20 Uhr geöffnet. Dort hätte man währenddessen noch Flyer verteilen müssen, stattdessen wurde das einige Zeit vorher in den umliegenden Städten getan. Hier dachten die Veranstalter zu ‚konzertmäßig‘ (was nachvollziehbar ist), genauso wie bei der Gestaltung des Plakats, das für viele gar nicht nach ‚handmade‘, sondern eher nach Musik aussah.

    Zum Thema Standverteilung: Während einige Kombinationen sehr witzig waren (zum Beispiel die beiden Möpse so nah beieinander), so waren andere nicht sehr glücklich. Eine Ausstellerin hatte direkt gegenüber ein (für das ungeschulte Auge) fast identisches Produkt, nur das dieses NICHT handgemacht, und somit viel günstiger (und sowieso fehl am Platze) war.

    Bei einer Sache bin ich unsicher, ob ich sie lustig oder traurig finden soll: bei der Ansage der HipHop-Tanzdarbietungen am Samstag. Fast verzweifelt wurde sie angepriesen. „Bitte kommt vorbei, er gibt sich wirklich Mühe!“ :-)

    Und zum Schluß wäre da noch der Eintritt. Alle Aussteller, mit denen ich gesprochen hatte, fanden die 5 Euro zu viel. Bei solchen Märkten ist man eher 2-3 Euro gewohnt, oder eben gar nix. Das Ganze war zwar als Messe deklariert (wofür 5 Euro voll ok sind), aber letztendlich war es eben doch ein Handmade-Markt. Für die ganzen kleinen Labels war die Standgebühr schon sehr hoch, und mit dem Eintrittsgeld schafft man eine recht große Hürde für Leute, die spontan des Weges kommen. Die meisten Aussteller werden wohl draufgezahlt haben.

    Ich bin absolut dafür, die Neu-Isenburger Kreativszene zu beleben, daher finde ich grundsätzlich gut, daß die Messe existiert. Sicher kann man aus der allerersten Veranstaltung einiges lernen. Vieles wird sich aber schwer ändern lassen. So bewegt sich die Hugenottenhallenmiete für die Veranstalter schon preislich in einem ganz anderen Universum als ein Saalbau oder ein nettes Kulturzentrum. Ohne eine recht hohe Standgebühr und Eintritt wird es schwierig werden, denke ich. Und so viele große Räume haben wir nun auch wieder nicht in unserer schönen Stadt.

    Vielleicht magst Du ja Neu-Isenburg eine zweite Chance geben und am 7. und 8. Dezember zu meinem Markt kommen? Bitte, ich geb‘ mir wirklich Mühe! :-)

    Liebe Grüße,

    Kati

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